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Siedesalz aus Mecklenburg

Salz ist für den Menschen unentbehrlich! Immerhin verbrauchte jeder Bewohner Mitteleuropas im Mittelalter und früher Neuzeit jährlich durchschnittlich 7 bis 10 kg Salz als Speisewürze und zur Konservierung von Lebensmitteln. Das Kochsalz ist ein lebenswichtiger Bestandteil unseres Körpers. Weil es in geringer Menge täglich aus dem Organismus ausgeschieden wird, ist zu seiner Auffüllung ein ständiger Nachschub durch die Nahrung notwendig. Tierisches Blut und Fleisch, besonders auch Fische, enthalten verhältnismäßig viel Salz. Auch einige Wildpflanzen verfügen über einen geringen Gehalt an Aufbausalzen. Werden diese naturgegebenen Nahrungsmittel dem Körper nur unzureichend zugeführt, kommt es bisweilen zum Auftreten krankhafter Mangelerscheinungen, begleitet von einem instinktiven Hunger nach salziger Nahrung.

Hunger nach Salz

Seitdem sich die Menschen nicht mehr so sehr von der Jagd, also vom Blut und Fleisch der erlegten Tiere, und vom Sammeln von Wildpflanzen und Wildfrüchten ernährten, sondern hauptsächlich von kultivierten Feldfrüchten und Gemüsen, die den nötigen Salzbedarf in der Regel nur ungenügend decken konnten, erwies sich die künstliche Würzung der Speisen bereits für den frühgeschichtlichen Menschen als lebensnotwendig. In England, Polen und auch im mitteldeutschen Raum ist bereits für die Bronze- und Eisenzeit die Gewinnung von Siedesalz archäologisch nachgewiesen worden. Die Salzherstellung erfolgte in früheren Jahrtausenden durch das Eindampfen der natürlich vorkommenden Salzlösungen, der Solen.

Salz kommt in ausgedehnten Gebieten Mitteleuropas in der Tiefe vor. Jedoch nur an relativ wenigen Stellen – geologischen Strömungslinien der Erdkruste – treten Solen auf natürliche Weise – als Salzquellen – zutage. Man kann davon ausgehen, dass diese Salzquellen von den Bewohnern der Umgebung für den eigenen Bedarf seit frühesten Zeiten genutzt worden sind. Die Salzgewinnung in ur- und frühgeschichtlicher Zeit hat sich für das Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns im archäologischen Fundmaterial bisher nicht nachweisen lassen.

Vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch wurde bei einer ganzen Reihe von Orten in Mecklenburg-Vorpommern Siedesalz erzeugt, wobei der Produktionsumfang der einzelnen Salinen sehr unterschiedlich war.

Nicht nur in alten Archivakten finden sich Hinweise, auch beim Betrachten der Landkarte Mecklenburgs fallen zahlreiche Orte auf, deren Namen die Silbe „Sülz“ enthalten und damit offensichtlich auf „Salz“ hinweisen, wie z.B. Sülten (bei Brüel, Lkr. Parchim), Sülten bei Stavenhagen (Lkr. Demmin), Bad Sülze (Lkr. Nordvorpommern), Sülte (bei Conow, Lkr. Ludwigslust), Sülstorf (Lkr. Ludwigslust). Flurnamen mit dem Wort „Salz“ finden sich ebenfalls. Materielle Sachzeugen der Salzgewinnung finden sich dagegen kaum noch.

Älteste Saline in Sülten

Die erste Nennung einer Saline aus dem Gebiet unseres Bundeslandes liegt aus dem Jahre 1170 – also noch aus spätslawischer Zeit – vor, bei dem im vorpommerschen Raum gelegenen Dorf Golchen an der Tollense. Bereits wenige Jahre später, im Jahre 1173, erhielt das gerade gegründete Zisterzienserkloster Dargun u.a. den vierten Teil einer Salzquelle bzw. eines Salzbrunnens im Tollensegebiet. Ein bisher slawischer Dorfherr hatte hier anscheinend auf eigenem Grund Salz gewinnen lassen. Leider ist die genaue Lage des Dorfes des Sulimer Tesimeric unbekannt.

Die wahrscheinlich älteste mecklenburgische Saline war die von Sülten (bei Brüel). Per Urkunde vom 7. Juni 1222 schenkte Fürst Borwin dem Antoniterkloster Tempzin „eine Salzpfanne bei dem Orte, an welchem Salz gesotten wird“. Dem bekannten Archivar und Historiker Lisch gelang der Nachweis, dass es sich bei der in der Urkunde genannten Saline um Sülten bei Brüel und nicht um den gleichnamigen Ort bei Stavenhagen handelte. Sichere Nachrichten über eine frühere Salzgewinnung bei dem letztgenannten Dorf gibt es bislang noch nicht. Ein weiteres Mal urkundlich erwähnt wird die Saline Sülten (bei Brüel) im Jahre 1409. Erstmals ein sehr aussagekräftiger Bericht über die Saline datiert in das Jahr 1577. Anlass war ein Rechtsstreit der Teilhaber, die daraufhin den Herzog als Schlichter anriefen. Die Akten berichten, dass man „mit beschwerlichen unkosten auß frembden landenn guete, erfarne arbeidtsleute“, darunter „etliche fürtreffliche, berümbte Meister aus dem Lande zu Hessen“ nach Sülten geholt hatte. Leider geben die Akten keine Auskünfte über Technik und Umfang der Salzgewinnung in dieser Saline. Anfang des 18. Jahrhunderts ging ein Teil des Gutes Sülten mit seinen Salzquellen in herzoglichen Besitz über. Daraufhin ließ Herzog Friedrich Wilhelm 1710 die Saline wiederherstellen. Im Jahre 1732 berichten die Akten über empfindlichen Brennholzmangel. Wenig später wurde die Salzgewinnung in Sülten wahrscheinlich vollkommen eingestellt. In letzten Nachrichten mit Bezug auf die Saline Sülten aus dem Jahre 1792 heißt es, dass „alte Leute sich noch erinnern konnten, als man die Rosskünste und Gradierwerke dort wegräumen musste“. Geblieben sind die Flurnamen „Salzhufe“ und „Salzkoppel“ beim Dorfe Sülten sowie die von den Salzquellen herrührende Salzflora.

Zwei Drittel dem Herzog

Über Jahrhunderte große Bedeutung für die Salzversorgung Mecklenburgs besaß die Saline des Städtchens Sülze. Die älteste Urkunde über Existenz und Benutzung der Solquellen stammt aus dem Jahre 1243, berichtet aber schon von einer Benutzung dieser Quellen „von den Vorfahren“. Eine Salzproduktion bereits lange vor der urkundlichen Erwähnung ist daher zu vermuten, aber nicht zu beweisen. Während über die ältere Geschichte der Sülzer Saline nur wenig bekannt ist, kann deren Entwicklung seit dem Ende des 17. Jahrhunderts aufgrund recht guter Aktenüberlieferung nachvollzogen werden. Jetzt nahm der Landesherr die Administration der Saline wahr, vertreten durch einen Salzinspektor. In dieser historischen Zeit war jeder Landesherr bestrebt, Salinen zu betreiben bzw. Anteile daran zu besitzen, denn Salzproduktion und Salzhandel waren eine wichtige Stütze der Staatskassen. Dem mecklenburgischen Herzog gehörten zwei Drittel der Salinenanteile, ein Drittel mehreren Sülzer Bürgern.

Die Saline in Sülze produzierte trotz ungünstiger natürlicher Verhältnisse noch bis zum Jahre 1907.

Saline Conow

Die erste urkundliche Nachricht der Conower Saline (Lkr. Ludwigslust) datiert in das Jahr 1326: Kurfürst Rudolf von Sachsen schenkte dem Kloster Eldena einen Wispel Salz aus dieser Saline. Im 16. Jahrhundert erwirbt der Herzog von Mecklenburg die Saline, die fortan das Salz für die herzogliche Hofhaltung liefert. Auch in den umliegenden Städten und Dörfern darf nur noch Salz aus Conow verkauft werden. Wegen Holzmangels wird der Salinebetrieb 1658 eingestellt, 1702 arbeitet die Saline wieder, jedoch mit geringen Gewinnen. 1746 wird die Erzeugung von Salinesalz in Conow eingestellt. Eine gewisse Neuauflage war die Steinsalzförderung in den Jahren von 1912 bis 1926.

Über eine Saline bei Ribnitz liegen lediglich aus dem Ende des 17. Jahrhunderts wenige Nachrichten vor. Im Jahre 1672 wird berichtet, dass der Rat der Stadt Ribnitz mit der Wiederherstellung eines auf städtischem Grund und Boden „bereits vor 100 Jahren“ vorhanden gewesenen Salzwerkes an der Klockenhäger Scheide begonnen und dabei zur Aufsuchung der Sole bereits „ziemlichen Fleiß“ verwandt hätte. Die Arbeiten hätten jedoch den Anschein, als wolle man „bloße Nachsuchung“, d.h. Erkundung, anstellen. Diese Aktivitäten hatten scheinbar aber keinen sonderlichen Erfolg. Auch ein fürstlicher Befehl an den Amtsschreiber zu Ribnitz vom 18. Juli 1678, die „Aussäuberung des Salzbrunnens bei Ribnitz zu befördern“, schien keinen Erfolg gehabt zu haben. Vermutlich ist die erneute Betriebsaufnahme eines im 16. Jahrhundert bei Ribnitz bestehenden Salzwerkes aus Konkurrenzgründen durch die nahegelegene Sülzer Saline erfolgreich verhindert worden.

Von Rostock zerstört

Der Flurname „Soltborn“ verweist auf eine Salzquelle bei Neukirchen (nahe Bützow). Auch für das Nachbardorf Reinstorf gibt es Hinweise auf eine Salzquelle. Eine hier in „alten Zeiten“ gewesene Salzsiederei soll samt der „ansehnlichen Ortschaft“ Neukirchen von Rostocker Bürgern zerstört worden sein, weil die Dorfbewohner angeblich unerlaubten Verkehr mit Seeräubern hatten. „Man zeigt daselbst noch 2 Salzquellen, welche eine gut gesättigte Sole, zu allen Jahreszeiten, hervorsprudeln“, berichtet die Literatur im 19. Jahrhundert. Die Nutzung beider Quellen zur Siedesalzgewinnung in historischer Zeit ist wahrscheinlich, doch fehlen nach wie vor schlüssige Beweise.

Salzproduktion und Salzhandel waren über viele Jahrhunderte in der Geschichte Mecklenburgs und Vorpommerns ein durchaus beachtenswertes Gewerbe. Die bereits entdeckten Spuren intensiv weiter zu verfolgen ist reizvoll und lohnend. Die geologische Karte von M-V 1998 weist folgende Salzquellen aus: Reinstorf, Kaffeekrug (bei Bützow), Sülten bei Brüel, Bad Sülze, Conow, Mesekenhagen bei Greifswald (je 1 x) und Koblentz bei Pasewalk sowie das Rosenthal bei Greifswald (je 2 x).


(Quelle: Dipl.-Historiker & Dipl.-Archivar Udo Funk
Alle Rechte vorbehalten.)

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