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Auf den Spuren historischer Strassen und berühmter Reisender

Wenig erforscht und bekannt ist bisher über das Geschehen auf den Handels- und Heerstrassen des Mittelalters in unserer Region. Seit dem 16. Jahrhundert geben die Schriftquellen darüber bereits etwas mehr Auskünfte.

Ab 1564 gibt es Reitpostkurse in Mecklenburg. Etwa 100 Jahre später, um 1660, beginnt die knapp 250 Jahre währende „Postkutschenzeit“ in Mecklenburg.

Vor rund 400 Jahren, Anfang 1602, trat der junge Herzog Philipp Julius von Pommern-Wolgast eine etwa 1 ½ jährige Bildungsreise an. Solche größeren Ausbildungsreisen gehörten zur Sitte der Zeit, nur selten jedoch gibt es so ausführliche Reisebeschreibungen wie von dieser. Schuld daran ist Dr. Friedrich Gerschow, „der einzige im Gefolge des hohen Reisenden von gelehrter Bildung“ in der 20 köpfigen Reisegesellschaft. Dieser war in der Lage „überall auf besondere Merkwürdigkeiten und sonstiges Wissenswertes hinzuweisen und die nötigen Erklärungen zu geben. Zugleich machte er sich Notizen über die Erlebnisse des Tages, welche der späteren schriftlichen Schilderung der Reiseerlebnisse zur Grundlage zu dienen hatten. Es ist wohl kein Zweifel, dass mancher im Verlauf der Reise einem Gelehrten abgestattete Besuch auf seine Veranlassung geschah, während die persönlichen Neigungen der übrigen Herren sich in anderer Richtung bewegen mochten“. Selbst beim Reiseziel Leipzig „wo studiert werden sollte“ wie es heißt, „findet sich von ernster Beschäftigung mit den Wissenschaften daselbst nichts berichtet, wohl aber nehmen Festlichkeiten aller Art....die Zeit in Anspruch“.

Gestartet in Wolgast, weiter über Eldena und Loitz, führte die Reise des Pommernfürsten am 6. Februar 1602 von Dargun nach Güstrow. Das über Bemerkenswertes an diesem Streckenabschnitt im Reisetagebuch keine Rede ist, mag wohl weniger an der Gegend als an dem „ziemlichen Regenwetter“ auf dem 6 Meilen langen Reiseweg liegen. Man wollte schnellstmöglich sein Ziel erreichen. In Güstrow wurden sie von Herzog Ulrich und dessen Gemahlin Anna, einer Vaterschwester des Herzogs Philipp Julius, freundlich aufgenommen und „trieben allerlei Kurzweil“. So bleibt es zunächst weiter ein Geheimnis, welchen genauen Weg von Dargun nach Güstrow die fürstliche Reisegesellschaft nahm. Vielleicht finden sich bei genauer Forschung ja künftig noch in anderen Archivalien Hinweise auf die Reiseroute.

Im Juli 1628 – es ist die Zeit des Dreißigjährigen Krieges - zog Wallenstein durch die Region, sein Weg führte von Stralsund aus über Tribsees und Gnoien nach Güstrow , wo er am 27.Juli Einzug hielt. In der Heimatliteratur wird geschrieben, dass auch der Schwedenkönig Gustav II. Adolf während dieser Zeit unsere Region durchzogen haben soll. Sowohl Gnoien als auch Walkendorf wünschen sich nähere Erkenntnisse darüber!

Auch der russische Zar Peter I. (der Grosse) war durchreisender Politiker – im Zusammenhang mit dem großen Nordischen Krieg (1700-1721). Im Jahre 1712 traf er von Berlin kommend am 5. Dezember zunächst in Demmin ein. Weiter führte es den Zaren nach Laage, wo er sich vom 9. bis 13. 12 im Hauptquartier seiner Garderegimenter aufhielt. Dort traf der Zar mit dem König von Polen und allen seinen Generälen zusammen. Erzählt wird seit langem immer wieder, daß der Zar auf dem Weg nach Laage auch die „Alte Ausspanne“ in Walkendorf besucht haben soll. Die Ausspanne gibt es seit mindestens 1664 als Schmiede mit Krug und Beherbergung. Der dortige Aufenthalt Peters ist unter Berücksichtigung des Reiseweges – die Trasse von Demmin nach Laage führt nunmal irgendwo durch die Region - nicht auszuschließen, doch auch hier fehlt bislang der aktenmäßige Beweis.

Außer ihre vorgeschriebenen Kurse passierenden Postreiter und –kutschen, Herzögen und Zaren samt zivilem oder militärischem Gefolge führte es auch „echte Studienreisende“ in unsere Region. Dazu gehört der dänische Gutsbesitzer Friedrich von Buchwald, der 1782 durch Mecklenburg, Pommern und Brandenburg reiste, um die praktische Landwirtschaft genauestens zu studieren. Auf dem Gut Dalwitz hielt er sich mehrere Wochen dazu auf. In seinem Tagebuch berichtet er bis ins kleinste Detail über Ackerbau, Viehhaltung, Lebensverhältnisse u.a. auf dem v. Bassewitzschen Familiengut.

Weitere Erkundungen auf den Spuren historischer Straßen und Wege, berühmter Reisender, ihrer Beobachtungen und Erlebnisse am Wege geben sowohl Einheimischen wie Gästen interessante Einblicke in die Geschichte unserer Region.


(Quelle: Dipl.-Historiker & Dipl.-Archivar Udo Funk
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