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Kraftfahrertest anno 1927
Autoklubfahrten verbinden Training und Vergnügen

Obwohl Motorräder und Autos um 1900 nur langsam Fuss fassten in Mecklenburg, war ihre Verbreitung dennoch nicht aufzuhalten. Nach dem I. Weltkrieg nahm die Zahl der Fahrzeuge auf unseren Straßen rasant zu. Zunehmend erforderlich wurden Regelungen und Vorschriften im Verkehr, aber auch technische und rechtliche Hilfe für die Biker und Automobilisten. Dabei waren die großen deutschen Automobilklubs, seit 1899 der AvD und seit 1903 der zunächst als „Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung“ gegründete und 1912 umbenannte ADAC, Partner aller Kraftfahrer.

Außerdem organisierten die Regionalklubs dieser Vereine in Mecklenburg eine Vielzahl von motorsportlichen und motortouristischen Veranstaltungen für ihre Mitglieder. Dazu gehören Zuverlässigkeits- und Geschichtlichkeitsfahrten, Frühlings- und Bädertouren, Wochenend- und Nachtorientierungsfahrten, auch Schönheitswettbewerbe.

Einige dieser Fahrten führten auch durch unsere Region. So 1923 die „Zuverlässigkeitsfahrt für Motorräder und Fahrräder mit Hilfsmotor“. Organisiert wurde diese Veranstaltung vom ADAC Gau VII b Mecklenburg unter Beteiligung des „Rostocker Motorradklubs“ und des „Güstrower Motorradklubs“ Entsprechend der Motorkraft der Fahrzeuge wurden drei verschiedene Strecken gefahren. Die Strecke für Krafträder von 1,91 bis 3,85 PS führte auf 121 km von Güstrow über Teterow, Gnoien, Sülze, Sanitz nach Rostock. Vorgeschrieben war hier eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h. Die Motorräder der Klasse III, über 3,85 PS, hatten mit einer vorgeschriebenen Geschwindigkeit von 46,5 km/h einen Kurs von Güstrow über Krakow, Teterow, Gnoien, Sülze, Sanitz nach Rostock innerhalb von 3 Stunden zu absolvieren.

Die regionale Gruppe des AvD war in Mecklenburg der „Großherzoglich-Mecklenburgische-Automobil-Club (GMAC)“, 1911 gegründet, gehörten zu seinen ersten Mitgliedern Hauptmann a.D. Fromm aus Teterow, Fabrikbesitzer Kühn aus Dargun, Rudolf Mense aus Gnoien, Georg von Viebahn aus Grambzow, Gutsbesitzer Hugo Walter aus Dölitz sowie der Viehhändler Witt aus Malchin. Die Zuverlässigkeitsfahrt des GMAC für Sport- und Tourenwagen „Quer durch Mecklenburg“ 1927 führte an ihrem 2. Tag mitten durch die Mecklenburger Schweiz. Mit Start in Neubrandenburg führte die erste Teilstrecke über Neustrelitz, Mirow, Röbel, Waren, Dahmen, Malchin zum Ziel Neukalen. Dort war als zweiter Tourabschnitt eine sogenannte „Geschmeidigkeitsprüfung“ durch die Kraftfahrer zu absolvieren. Start dafür war der Kilometerstein 64,2 am nördlichen Stadtrand. Zu fahren waren 100 m Anlaufstrecke, 100 m Langsamstrecke, 1000 m Schnellfahrten und 1000 m Auslauf in Richtung Warsow. Für diese Sonderprüfung galten für die Autofahrer folgende Bedingungen: „Die gesamte Langsamstrecke (Beginngelbe Flagge) muss mit dem höchsten Gang durchfahren werden. Auf der Langsamstrecke hat der Fahrer die Kupplungs- und Bremspedale freizuhalten, darf den Schalt- und Handbremshebel nicht benutzen und keine Schlangenlinien fahren. Die Schnellfahrt (Beginn grüne Flagge, Ende rote Flagge) darf nur durch Benutzung der Zünd- und (oder Gashebel reguliert werden. Die Benutzung des Kompressors während der Geschmeidigkeitsprüfung ist untersagt und hat Ausschluss zur Folge.“ Für Verstöße gegen diese strengen Regeln, gab es Strafen für die teilnehmenden Kraftfahrer: „Jedes kurze Auskuppeln (nicht über 2 Sekunden) bringt bei der Langsamstrecke je 10 % Abzug und bei der Schnellfahrt 10 % Zuschlag der gefahrenen Zeit. Längeres Auskuppeln, Benutzung des Bremshebels, Einschalten eines anderen Ganges, Stillstand des Motors bedingen neuen Start und 20 % Abzug betw. Zuschlag der bei der Wiederholung erreichten Zeit. Es darf nur ein einmaliger neuer Start erfolgen.“ Hier konnten und sollten die Automobilisten jener Zeit ihr Können unter Beweis stellen und trainieren.

In Warsow war neuer Start für den letzten Tagesabschnitt über Dargun, Gnoien, Sülze, Ribnitz nach Rostock.


(Quelle: Dipl.-Historiker & Dipl.-Archivar Udo Funk
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