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Ein neuer Galgen für das Amt Bützow-Rühn
2 ½ Tonnen Bier für die Zimmerleute

In der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gerichtsbarkeit war der Galgenberg der Platz für Gerichtsverhandlungen und auch Vollstreckung von Strafen. Mit der Errichtung der weit sichtbaren Galgen wurde aber auch von vornherein der Zweck verfolgt, mögliche Straf- oder Missetäter abzuschrecken. Bei vielen Städten und Dörfern erinnern noch heute Flurnamen an diese historischen Städten. Wir kennen „Galgenberge“ u.a. bei Hohen Sprenz, Mamerow, Wattmannshagen, Katelbogen, Eickelberg. „Gerichtsberg“ heißt der entsprechende Platz bei Diekhof. Die Schmettau-Karte von 1788 zeigt eine Galgensignatur bei Weitendorf und bezeichnet den Platz mit dem Wort „Justitz“.

Der zweitälteste urkundlich erwähnte Galgenberg in Mecklenburg ist jener von Bützow. Er ist in einer Urkunde von 1317 erwähnt und zu jener Zeit im Gebiet zwischen Wolkener und Rühner Tor gelegen.

Die Schlinge des Galgens erwartete in alten Zeiten Diebe, Räuber, Brandstifter, Verräter, Münzfälscher. Viele andere Straftaten wurden mit Enthauptung geahndet, ebenfalls vollzogen auf dem Galgenberg. Tod durch das Schwert traf z.B. Aufrührer, Bigamisten und Ehebrecher, Gotteslästerer, Kindermörder. Auch für das Verrücken von Grenzzeichen wurde man im Mittelalter geköpft. Wie den Akten zu entnehmen ist, wurden die Missetäter auch unmittelbar unter dem Galgen verscharrt.

Die in unserer Region meist hölzernen Galgen waren nicht für die Ewigkeit bestimmt, mussten von Zeit zu Zeit repariert, gegebenenfalls auch neu erbaut werden. 1708, am 16. Januar, gab Friedrich Wilhelm, Herzog zu Mecklenburg, seinen Beamten in Bützow den Befehl, „anstatt des verfallenen Gerichts vor dem Wolcker Thor ein neues Gericht aufbauen zu lassen“. Das dazu nötige Bauholz haben die Untertanen auf den vorgesehenen Bauplatz anzufahren. Die zum Bau verpflichteten Zimmerleute werden mit Trommelschlag zum Gerichsplatz geführt Der Tambour bekommt dafür 16 Schillinge. Der Stadtvoigt Wiener und seine beiden Gerichtsassessoren werden mit einem Wagen zur Gerichtsstätte gefahren. Mit einer kurzen Rede und symbolischem zweimaligen Einhauen in das Holz eröffnen sie die Zeremoniell. Danach haben sie Axt und Handschuhe niedergelegt und den Zimmerleuten überlassen das Galgenbauwerk zu errichten. Für die Durchführung dieser Bauarbeiten erhielten die Zimmerleute 2 ½ Tonnen Bier, für 24 Schillinge Kringel und eine neue Axt. Insgesamt 24 Personen waren den Zimmerleute zum Graben der Löcher und zum Aufrichten der Ständer als Helfer gegeben, wovon jeder 3 Schilling Lohn bekam..

Selten ausführlich berichten die Archivakten ebenso über die „Errichtung eines neuen Galgens beim Amte Bützow-Rühn 1774“. Johann Wilhelm Schünemann vom Amt Rühn schreibt am 30.April 1774 an den Herzog in Schwerin: „Es mag mit dem hiesigen, zum Galgen condemnirten [d.h. verdammten, verurteilten] Delinquenten Jochim Griep ausfallen wie es will, so wird doch immer die Erbauung eines Hochgerichts hieselbst wo nicht nothwendig, doch zum abschreckenden Exempel für Diebe und Vagabonden nüzlich seyn. Der Galgen hier in Rühn ist schon vor vielen Jahren umgefallen. Der Bützowsche, den das amt mit der Stadt in Communion hat, neiget sich dem Umsturz, eine Reparation würde vielleicht eben so viel kosten, wie die Erbauung eines neuen;... Unsere Meynung gehet also dahin, einen neuen Galgen auf dem Felde des Bützowischen Amts Dorfes Zernin unweit der hintersten Bützowischen Burg, woselbst sich nicht selten Bettler, und andere verdächtige Leute aufhalten, errichten zu lassen.“ Zuvor hatte der Rühner Amtmann bereits nötige Erkundigungen angestellt welcher Aufwand dazu nötig ist, und bittet nun um Bewilligung durch den Herzog sowie um Erlaß der Holzanweisung an den Oberförster Schlüter zu Bützow. Der vom Amt Bützow-Rühn beantragte Bau eines neuen Hochgerichts-Galgens an dem vorgesehenen Orte Zernin wird von der herzoglichen Kammer in Schwerin am 6. Mai 1774 positiv beschieden. Auch die Errichtung und Einweihung dieses Galgens war ein öffentliches Zeremoniell.

Noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts lassen sich in Mecklenburg „Galgenberge“ als Plätze öffentlicher Gerichtsverhandluing und Strafvollstreckung, aber auch zur Abschreckung potentieller Missetäter nachweisen.


(Quelle: Dipl.-Historiker & Dipl.-Archivar Udo Funk
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