Nachdem 1886
in Deutschland das Automobil erfunden war, wurde auch Mecklenburg,
zunächst sehr zögerlich, motorisiert. Die erste
Motorkutschen 1898 in Schwerin erregte großes Aufsehen
bei der Bevölkerung, auch die Fahrt eines solches Gefährts
durch die Stadt Teterow 1899. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts
erscheinen auch in unserer Region die ersten motorisierten
Fahrzeuge.
Im Jahre 1905 gibt
es in Güstrow insgesamt 13 Kraftfahrzeuge, davon 4 Kraftwagen,
1 Dreirad und 8 Zweiräder. Wohl die Fabrikanten Erhard
& Brandenburg waren die ersten Automobilisten der Stadt.
Ihr Kraftwagen mit 4 ½ PS ist am 2.12.1902 amtlich
angemeldet worden. Ende März 1903 knattert das zweite
Auto in Güstrow herum. Es gehört dem Ingenieur Thormann
und hat satte 5 PS. Die ersten Biker Güstrows waren der
Mechaniker Emil Picker und der Schneidermeister Wilhelm Hampe,
die ihre jeweils 1 ¾ PS starken Stahlrösser im
März 1903 anmeldeten.
Zwischen 1905 und
1910 hatte sich in Güstrow die Zahl der angemeldeten
Kraftfahrzeuge verdoppelt auf 26, davon 7 Kraftwagen und 19
Zweiräder. Die Statistik von 1910 weist erstmals auch
in der Umgebung Kraftwagen und Zweiräder aus: In Bützow
gibt es schon 8 Kfz., davon 6 Kraftwagen und 2 Zweiräder.
Die Kleinstadt Laage verzeichnet 1910 einen Kraftwagen (Dreirad,
3 PS), im Besitz des Kaufmanns Friedrich Korff und 3 Krafträder.
Der erste ländliche Automobilist der Güstrower Region
kommt aus Gremmelin. Seinen Kraftwagen von 2,7 PS hat der
dortige Landwirt v. Pentz im April 1907 angemeldet. Zur selben
Zeit bekommt Tarnow seinen ersten Biker: Der Maschinenbauer
Bach hat sich ein Kraftrad von 2 ¼ PS zugelegt. Vor
dem I. Weltkrieg, der auch die Entwicklung des zivilen Kraftfahrzeugwesens
stagnieren lässt, gibt es in der Stadt Güstrow insgesamt
27 Kraftfahrzeuge.
In den 1920er
Jahren nahmen parallel zum Fahrzeugbestand auch die motorsportlichen
Aktivitäten in Mecklenburg einen Aufschwung. Neue regionale
Motorklubs wurden gegründet, verschiedenste Fahrveranstaltungen
durchgeführt. Unter Beteiligung des „Güstrower
Motorradklubs“ und des „Rostocker Motorradklubs“
fand am 12. August 1923 eine Festveranstaltung mit Zuverlässigkeitsfahrt,
Geschicklichkeits- und Schnelligkeitsprüfung für
Automobile, Motorräder sowie Fahrräder mit Hilfsmotor“
statt. Güstrow war der Startort für die an der Zuverlässigkeitsfahrt
teilnehmenden Zweiräder. Die Fahrzeuge starteten zwischen
8.00 und 8.30 Uhr in 3 Klassen mit verschiedener Streckenführung
und -länge auf dem Güstrower Marktplatz mit Ziel
in Rostock. Gefragt als Wertungskriterien waren Gleichmäßigkeit
und Zuverlässigkeit der Fahrt mit vorgegebenen
Durchschnittsgeschwindigkeiten
zwischen 24 und 46,5 km/h. Ihren Abschluss fand diese Motorsportveranstaltung
unter Schirmherrschaft des ADAC mit Festball, Verteilung von
Preisen und Ehrenplaketten am Abend in der Rostocker Tonhalle.
Das Güstrower
Hotel „Erbgrossherzog“ war in der Folgezeit mehrfach
Ort der jeweils zum Jahresende durchgeführten ADAC- GAU-Hauptversammlungen:
1924, 1928, 1931, und 1932.
Unter der Ägide
des 1911 gegründeten Großherzoglich Mecklenburgischen
Automobilklubs (Regionalklub des AvD) fanden periodisch seit
1912 sogenannte „Polizeifahrten“ statt. Sie hatten
die Inspektion von Strasse und Verkehr mit dem Blick auf Verbesserung
zum Ziel. Eine Sternfahrt von Schwerin, Rostock und Neubrandenburg
aus nach Güstrow war 1925 die dritte Polizeifahrt. Teilgenommen
haben daran 33 Wagen mit 98 Personen, darunter 54 Behördenvertreter.
Im Ergebnis heißt es u.a.: „Mit Ausnahme der Nähe
der grossen Städte ist daher der Fahrverkehr auf den
Landstraßen in Mecklenburg noch immer gering. Demgegenüber
ist die Straßendisziplin, wie aus der Statistik ersichtlich,
außerordentlich schlecht...“
Groß war
die Vielfalt der Autos auf den Straßen Mecklenburg schon
damals. Bereits 1927 fuhren in unserem Lande Autos von rund
100 Herstellermarken von Adler bis Wanderer, darunter auch
noch heute bekannte Marken wie Audi, Chrysler, Citroen, Fiat,
Lancia, Mercedes-Benz, Opel, Peugeot, Renault.
Die Güstrower
Städtische Feuerwehr fuhr 1935 einen Chevrolet aus Detroit
mit 2768 ccm und 26 PS, der in der Stadt ansässige Mecklenburgische
Feuerwehrverband ein Adler-Automobil mit 50 Pferdestärken
bei 2895 ccm.
(Quelle: Dipl.-Historiker & Dipl.-Archivar Udo Funk Alle Rechte vorbehalten.)
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