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Kümmel, Anis und Fenchel
A. v. Lengerke bereiste Region Güstrow

Den Landwirten des 19. Jahrhunderts sind seine Bücher wohlbekannt. Der bedeutende Agrarschriftsteller Alexander von Lengerke (1802-1853) bereiste von seiner schleswig-holsteinschen Heimat aus auch das westliche und mittlere Mecklenburg. Im Sommer und Herbst 1825 studierte er die praktische Landwirtschaft auf einer Reihe von mecklenburgischen Gütern, darunter auch im heutigen Landkreis Güstrow.

Von Güstrow aus führte es ihn zunächst in das eine Meile von Bützow gelegene Gut Langensee, das „schon seit einer Reihe von Jahren von dem Herrn Kriegsrath Schröter bewohnt und bewirtschaftet“ wird. Nächste Station dieses Reiseabschnitts war Glasewitz. „Ich hatte zu viel Vorteilhaftes von dem interessanten Betriebe des dasigen Pächters, Herrn Engelbrecht, vernommen, als dass ich nicht hätte den Versuch machen sollen, mich mit beiden bekannt zu machen. Zu meiner Freude bot sich mir ein sehr werther Reisegesellschafter an, und erhöhete das Vergnügen des mir gewordenen lehrreichen Aufenthaltes zu Glasewitz“

Hinsichtlich des Pflanzenbaus wird in Glasewitz besonders der Flachsanbau hervorgehoben. „Was die Flachskultur anbelangt, so darf hier nicht unbemerkt bleiben, dass wir, zu unserm großen Vergnügen, auf Glasewitz eine bis dahin hier noch ganz neue und ungewöhnliche Vorrichtung, um das Dörren des Flachses zu beschaffen, antrafen.“ Es handelt sich um einen sogenannten Brakofen. Dieser weist große Vorteile gegenüber früheren Methoden der Flachstrocknung auf. Auch eine bisher auf keinem Gut angetroffene Ölmühle moderner Art wird dem Studienreisenden in Glasewitz vorgeführt.

Nach einem Aufenthalt in Dehmen ist das vom Domänenrat Pogge bewohnte Gut Roggow nächste Reisestation.. „Dasselbe hat sehr angenehme Environs [=Umgebungen], und ungesucht bieten sich dem Auge, gleich nahe beim Hofe, mehrere Ausblicke auf die reizendsten Landschaftsparthien dar....Seit 37 Jahren, so lange nemlich der Herr Domänenrat Pogge hier wirtschaftete, war sein Wirthschaftssystem beständig von der Art, dass er in der Bereicherung seiner Felder glänzende Fortschritte machen mußte. Während die Tendenz fast aller mecklenburgischen Güterwirtschaften möglichst ausgebreiteter Kornbau war, hatte er sein Hauptaugenmerk nur immer auf vergrößerte und vervollkommnete Viehhaltung gerichtet. Zwanzig Jahre arbeitete er zuvörderst daran, sich einen trefflichen Rinderviehstapel anzuziehen, von welchem ein früherer Reisender sagt, dass er an Vollkommenheit alles zurückgelassen, was er noch von der Art gesehen habe, Ostfriesisches und Marschvieh etwa ausgenommen, und dass es der Mühe werth gewesen, allein deswegen eine Reise zu machen.“

Auch in Striesenow, bewohnt und bewirtschaftet vom Sohn des Domänenrat Pogge, gibt es Bemerkenswertes zu studieren. In kleinen Mengen wird dort Kümmel, Anis und Fenchel angebaut. Der gesamte Ertrag dieser Kulturen ist für die dortige Branntweinfabrik bestimmt. Den hauptsächlichsten Beitrag dazu liefert der Kümmel, „dessen Samen mit einem angenehm schmeckenden wesentlichen Öl erfüllt ist“. Die Branntweinfabrik befindet sich im Kellergeschoß des Poggeschen Wohnhauses, wo eine für die Produktion unstrittig vorteilhafte gleichmäßige Temperatur herrscht. „Bei meiner Anwesenheit ward die Brennerei dergestalt vergrößert, dass man in der Folgezeit täglich 16 Scheffel zu konsumiren in den Stand gesetzt seyn wird. Der Absatz der Erzeugnisse in hiesiger Gegend ist brillant; ein trauriges Wahrzeichen mehr für die Verderbtheit der niedern Klassen! – Das Brennen aus Kartoffeln hat man schon seit längerer Zeit gänzlich eingestellt. – Herr Pogge strebt darnach, Genever [= Wacholderbranntwein] zu fabriziren, welcher dem Holländischen gleich komme; er hat seinem Fabrikate schon manche Eigenschaften des letztern gegeben, nur kann er es noch immer nicht dazu bringen: dass der mit Wasser gemischte Genever sich nicht trübe ? Ist, diesem Uebelstande abzuhelfen, gar kein gedruckter Rath vorhanden ? Sind doch in letzter Zeit untrügliche Rathgeber über jeden Quark erschienen; wie viel mehr sollte sich denn nicht ein Bewanderter über diesen wichtigen Gegenstand hergemacht haben!...“

Von Striesenow ging`s weiter nach Tellow, „welchem ich meinen letzten Besuch in landwirtschaftlicher Hinsicht widmete“.

Im Laufe seiner Reise durch die Güstrower Region und ihre Dörfer konnte Alexander von Lengerke im Jahre 1825 viel Bemerkenswertes und Fortschrittliches in der Landwirtschaft feststellen, was er ausführlich in seinen Reiseberichten den interessierten Lesern mitteilt.


(Quelle: Dipl.-Historiker & Dipl.-Archivar Udo Funk
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